Bennett, John Godolphin

Bennett, John Godolphin (1897–1974)

Britischer Mathematiker und bedeutender Schüler von G.I. → Gurdjieff. Nachdem er diesen in den 1920er-Jahren kennen gelernt hatte, schloss er sich in England zunächst dem eigenständig lehrenden Gurdjieff-Schüler P.D. → Ouspensky an. Durch die Wirren des Zweiten Weltkrieges und Ouspenskys ambivalente Ablehnung Gurdjieffs verlor Bennett den Kontakt zu Gurdjieff, den er jedoch nach dem Krieg wieder in Paris aufsuchte, um an seinen Gruppen teilzunehmen. Nach Gurdjieffs Tod bildete Bennett eigene Gruppen in London.
Gurdjieff hatte Bennett dazu inspiriert, nach dem inneren Muster der → Spiritualität zu suchen und nach dem wirklichen Wissen aus den Quellen. Deshalb unternahm er einige Forschungen zur Herkunft von Gurdjieffs Lehren und lernte verschiedene westliche und östliche Meister kennen, die ihm auf seiner Suche halfen. Auf diese Weise assimilierte Bennett wesentliche Einflüsse aus traditionellen Lehren, moderner Psychologie und zeitgenössischen physikalisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen. Aufgrund seines wissenschaftlichen Hintergrunds verstand es Bennett wie kaum ein anderer, wissenschaftliches Denken und Philosophie mit Metaphysik und spiritueller Philosophie und Praxis auf systemische Weise zu verschmelzen und so eine zeitgemäße → spirituelle Schule zu entwickeln.
Einen wichtigen Hintergrund für Bennetts spirituelle Arbeit und Weiterentwicklung der Lehren von Gurdjieff bildete sein Beruf als Mathematiker. Durch seine frühe → Nahtoderfahrung versuchte er immer wieder zu ergründen, was es mit den anderen, unsichtbaren Bereichen der Wirklichkeit auf sich hat und wie diese in unser physikalisch geprägtes Verständnis einer Welt aus drei Raum- und einer Zeitdimension passen. Er kam zu der Erkenntnis, dass es außer der gewöhnlichen Zeitdimension auch eine fünfte Zeitdimension geben müsse, und entwickelte ein mathematisches Modell dafür. In einfachen Worten: Während → Zeit die Verwirklichung von Potenzialen ermöglicht, enthält die fünfte Zeitdimension, die er → Ewigkeit nennt, bereits diese Potenziale. Ewigkeit ist die „Fähigkeit zu sein“, der gegenwärtige → Augenblick des Lebens in seiner Fülle. In seinen Visionen überschritt er auch diese Dimension, denn die Fähigkeit zu tun, die Welt des kreativen Willens, ist eine weitere, die sechste Dimension, die jenseits unseres Bewusstseins wirkt.
Diese Arbeit fand ihre praktische Umsetzung in → „Systematics“, einer Methode, die gleichermaßen für unternehmerische Organisation wie für das philosophische Verständnis von Qualitäten und Prozessen brauchbar ist, welche sich nicht mit quantiativen mathematischen Analysen verstehen lassen (→ Zahlen, Zahlenmystik). Das → Enneagramm ist Teil dieser Methode. Diese Erkenntnisse vermittelte er in dem intellektuell anspruchsvollen vierbändigen Werk „The Dramatic Universe“ (1956/66).
Bennett gründete 1971 die International Academy for Continous Education im englischen Sherborne, die er bis zu seinem Tode 1974 leitete. Einige seiner Schüler leiten heute noch Gruppen in Europa und den USA.

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