Hörner

Das gehörnte Haupt (manchmal auch ein Federkranz oder Federn) war immer das auffälligste Merkmal eines → Schamanen und ist immer noch in allen schamanischen Kulturen ein Zeichen für die Fähigkeit des Schamanen, kundiger Reisender und Mittler zwischen den Welten zu sein. Tierhörner, Knochen und Vogelschnäbel sind die ursprünglichen schamanischen Ritualgeräte. Später, als andere Religionsformen entstanden, wurden Götter oftmals als gehörnte Tiere, als Stiere, Ziegenböcke und Hirsche dargestellt.
Der gehörnte Gott ist so alt wie die Steinzeit. In der frühesten sakralen Kunst finden sich Abbildungen von Männern mit Hörnern eines Stiers und insbesondere mit dem Geweih eines Hirsches. In Europa ist eine der bekanntesten Figuren mit einem Geweih auf dem Kopf auf dem vergoldeten Silberkessel abgebildet, der im dänischen Gundestrup gefunden wurde. Er wird der kelt. Kultur (→ Kelten) als der gehörnte Gott Cernunnos zugeordnet und ist der Gott des Waldes, der schöpferischen Naturkräfte, der Zeugungskraft und des Wachstums. Mit all diesen Qualitäten ist er v.a. auch der Begleiter der großen Erdmutter (→ Göttin). Auf der Abbildung rechts von ihm steht ein Hirsch, ein Wolf zu seiner Linken. Der Hirsch ist ein Symbol für die Lebenskraft, der Wolf für die Kraft der Vernichtung. Diese beiden Kräfte trennend sitzt Cernunnos in der Mitte, bildet die versöhnende dritte Kraft und hält so das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod.
In den griech. Mythen werden Pan als Ziegenbock und Dionysos und Zeus als Stiere dargestellt. Das hebr. Zeichen Aleph (→ A) entstand aus dem Bild einer Kuh bzw. eines Stieres. Die in den christl. Kulturen entwickelte Darstellung des → Teufels mit Hörnern hat vermutlich mit der Abgrenzung des Christentums zu den die Naturkräfte verehrenden alten Völkern Europas zu tun.

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