Karma-Yoga

Die Bhagavadgita versucht den Konflikt aus dem Widerspruch von Handeln und Meditation, der sich durch alle indischen Systeme des Glaubens und der Philosophie zieht, zu lösen, indem sie (durch Krishna) zeigt, dass beide Methoden gleichermaßen gültig sind. Karma bedeutet Aktion, Handeln. Der Mensch ist zum Handeln verurteilt, weil das „Handeln dem Nichthandeln überlegen ist“. Deshalb muss der Mensch die vorgeschriebenen Handlungen oder Pflichten, die ihm durch die jeweilige Situation auferlegt sind, seinem Wesen gemäß erfüllen, ohne „Hinsicht auf dessen Frucht“.
Sri Aurobindo (1977, 249) interpretiert das Karma-Yoga der „Bhagavagita“ so: „Macht das Werk, das ihr hier zu verrichten habt, zu einem Mittel eurer inneren spirituellen Wiedergeburt, einer göttlichen Geburt. Und wenn ihr so göttlich geworden seid, tut weiter göttliche Werke als Werkzeuge des Göttlichen Wesens, um die Völker zu lenken!“
Gewöhnliches Handeln ist im Sinne der „Bhagavadgita“ Karma. Wird es mit Liebe und Absicht ausgeführt, ist es Yoga, d.h. Karma-Yoga. Kein anderes Yoga kann so ohne die Grundlage von Karma-Yoga ausgeführt werden: Atmen, Meditation, Lesen, Beten, Arbeiten, politisches Handeln. Alles ist Wirken, Karma. Deshalb gibt es in dieser Philosophie auch keine spirituelle Entwicklung ohne Handeln oder den Verzicht zu handeln, wie es z.B. das → Vedanta lehrt. Daher ist es für das Karma-Yoga wichtig zu wissen, wie der Mensch richtig handelt. Einer, der die Wahrheit erkannt hat, der Frieden gefunden hat im Atman (→ Selbst), hat nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren. „Doch der Weise arbeitet weiter“, sagt die „Bhagavadgita“ (3. Kap.), um „anderen durch sein Beispiel den Weg der Pflicht zu weisen“. Mahatma → Gandhi war dabei ein außergewöhnliches Vorbild für den Weg des Karma-Yoga.
Im Karma-Yoga gibt es auch keinen Unterschied zwischen dem → Sannyasin, der auf physische Arbeit verzichtet, und dem Karma-Yogi, der auf die Früchte seiner Arbeit verzichtet.
„Der Karma-Yogi tut alles und hat doch das Gefühl, er tue nichts; der Sannyasin hat das Gefühl, er tue nichts und tut doch alles. Der Unterschied liegt also bloß in der Reihenfolge der Worte. Richtig getaner Karma-Yoga und richtig erfülltes Sannyasa führen letztlich zum gleichen Ziel. Da aber das Tun zu unserer Natur gehört, ist der Weg des Karma-Yoga leichter.“ (Saraswati, Swami Krishnanand 1984, 50)
Solange das Handeln nicht von Reife und Aufrichtigkeit getragen ist, ist der Mensch nicht erleuchtet. Denn durch die Arbeit in der Welt sind Menschen in Kontakt mit Menschen. Diese Verbindung bringt alle „negativen“ Eigenschaften in jedem hervor: Neid, Liebe, Hass, Bewunderung, Zorn, Aggressivität. Karma-Yoga bedeutet, diese Emotionen zu überwachen und diese bieten so eine Möglichkeit sich selbst gewahr zu werden und zur tieferen Selbsterkenntnis zu gelangen.

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