Katharer

Von den → manichäisch-gnostischen Lehren beeinflusst waren die Katharer (griech. „die Reinen“), ein Sammelname, den sich eine Reihe häretischer christl. Sekten gab, welche sich vom 3. bis zum 11. Jh. in Vorderasien und Westeuropa ausbreiteten. Ihre Überzeugungen waren von Sekte zu Sekte unterschiedlich, dennoch hatten sie gewisse Gemeinsamkeiten. Man zählt fast 30 unterschiedliche Sekten.
Die bekanntesten darunter waren die Albigenser, fleißige Handwerker, die in der Gegend um Toulouse lebten, und die Bogumilen (slawische Reinheitsgnostiker). Für sie war die Welt durch den bösen Geist, durch den von Gott abgefallenen Luzifer, verdorben. Sie predigten vollkommene Gewaltlosigkeit, ernährten sich rein vegetarisch und lehnten den Krieg ab. Zum Zeichen der Trauer um diese böse Welt, aus der man sich nur durch große Anstrengung befreien konnte, trugen sie schwarze Kleidung (→ Farbe); dies finden wir auch bei den islamischen Schiiten, deren Frauen sich schwarz verhüllen müssen.
1209 begann die Verfolgung durch die katholische Kirche unter Papst Innozenz III. und dem hl. Dominikus. Die letzte Etappe ihrer Flucht, die über 30 Jahre andauerte, war eine uneinnehmbare Festung, die Gralsburg Montségur, die Wolfram von Eschenbach Munsalvaesche nennt (→ Gral).
Der literarische Zweig der Katharer waren die Troubadoure, die aus den vornehmeren Rittertraditionen des 12. und 13. Jh. hervorgingen und hauptsächlich in den katharisch beherrschten Gebieten der Provence aktiv waren. Die so genannte höfische Minne der Troubadoure war eine Form der sexuellen Moral, die erotische Entsagung, manchmal auch freie Liebe (die bei den → Gnostikern meistens mit Einhaltung des männlichen Samens einherging), Homoerotik und Ehebruch duldete. Allein schon die Mischung zwischen Askese und Ausschweifung, die man den Troubadouren zuschreibt, könnte ein Hinweis auf ihre Uneinheitlichkeit sein.
Idries → Shah vermutet, dass die Troubadoure (oder ein Teil der Gruppe) auf die Sufi-Tradition (→ Sufismus) zurückgehen. Es gibt eine Reihe von Sufi-Dichtern, bei denen Liebe eine mystische Dimension hat. Während der gleichen Zeit kursierten die Legenden vom hl. → Gral, die sich von alten kelt. Mythen (→ Kelten) herleiten (→ Artussage). Die Gralsromane erzählen im Wesentlichen von der Suche des Helden nach einer höheren Weisheit, eingekleidet in eine Transformationssymbolik. Ob eine tatsächliche Blutsverwandtschaft zwischen Jesus und den Nachkommen Maria Magdalenas vom Gral symbolisiert wird, was eine Autorengruppe im Buch „Der heilige Gral und seine Erben“ (neu 2004) behauptete, spielt eigentlich keine Rolle. Denn der archetypische Mythos von der Suche nach Weisheit kann für sich allein bestehen und unsere persönliche Suche immer von neuem anregen.

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