Kelten, keltische Glaubensvorstellungen

Die Kelten, die „Tapferen“, die „Erhabenen“, waren ein uneinheitliches Volk, das große Teile West-, Mittel- und Südeuropas und auch Kleinasiens bewohnte. Zum Alter der kelt. Völker gibt es bis heute kaum Belege, man nimmt aber an, dass die Kelten nicht vor 500 v.u.Z. zu datieren sind. Zum Teil vermischten sie sich auch mit den europ. Völkern (→ Europa).
Archäologische Befunde weisen darauf hin, dass die Kelten schon vor 7 000 Jahren Monumentalanlagen aus Holz bauten (ob das ebenso alte Sonnenobservatorium von Goseck von Kelten erbaut wurde, ist nicht bekannt) die Vorläufer der → Megalithbauten (→ Stonehenge). Sie waren auch das erste Volk, das von den antiken Geschichtsschreibern vor der modernen Zeitrechnung beschrieben wurde. Zwischen dem 1. und dem 6. Jh. n.u.Z. vertrieben die Römer die kelt. Völker aus ihren Siedlungsgebieten auf dem europ. Festland ins westliche Britannien und nach Irland. Die Kelten wurden von den Griechen auch Galater und von den Römern Gallier genannt. Sie waren hervorragende Handwerker, stellten Waffen, Goldschmuck und Kunstgegenstände her und betrieben erfolgreich Fernhandel, gründeten aber nie größere staatliche Verbände.
Die Mythologien der kelt. Völker Europas enthalten viele Anspielungen auf eine hl. Quelle, einen hl. Brunnen oder auch einen hl. Kessel (→ Gral, → Germanen), aus dem zu trinken den Zugang zur Anderswelt, zum verborgenen Wissen eröffnet. Ein zentraler Mythos des späten kelt. Glaubens Britanniens findet sich in der → Artussage.
Trotz einer langen, durch Priester – „Druiden“ – getragenen Weisheitstradition entwickelten die kelt. Völker keine Schriftkultur. Unser Wissen über sie beziehen wir nur über die frühe griech.-röm. Geschichtsschreibung und über archäologische Methoden und deren Interpretation. Zahlreiche Artefakte erzählen bis heute eindrücklich von den geistigen Welten der Kelten, die den reichen Grabfunden zufolge an ein Leben nach dem Tode glaubten. Ob bei bestimmten Ritualen tatsächlich Menschenopfer dargebracht wurden, lässt sich bis heute kaum belegen, auch wenn es manche archäologische Hinweise darauf gibt.
Viele neuheidnische Gruppierungen (→ Hexen, → Göttin) haben kelt. oder vermeintlich kelt. Formen, Schriften und → Rituale übernommen, um nicht mit Neonazis und ihrem falsch verstandenen Germanenkult (→ Germanen) in Verbindung gebracht zu werden.

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