Noosphäre

Der Geologe Wladimir Wernadski (1863 – 1945), der den Begriff der Biosphäre prägte, erfand auch in den 1920er Jahren den Begriff Noosphäre – Geistsphäre oder Bewusstseinsfeld. Der Philosoph, Paläontologe und Anthropologe Pierre Teilhard de Chardin (1881 – 1955) lernte Wernadski in den 1920er Jahren in Paris kennen und übernahm von ihm den Begriff der Noosphäre, die er mehr als eine Sphäre des Geistes sah und weniger materialistisch als Wernadski. Seither wird Noosphäre, Geistsphäre oder → Bewusstseinsfeld, wie wir es heute bezeichnen, vor allem mit Teilhard de Chardin in Verbindung gebracht. Für seine Evolutionslehre ist die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins ein zentrales Argument.
In diesem Feld werden seiner Vorstellung nach alle wesentliche Gedanken, Philosophien, wissenschaftliche Erkenntnisse und Kulturleistungen der Menschheit abgespeichert und beeinflussen umgekehrt die weitere Evolution des menschlichen Bewusstseins (ähnlich der → Akasha-Chronik). Obwohl Teilhard zu seiner Zeit noch nichts von Computern und Internet wusste, spekulierte er prophetisch: „Wie soll die Verknüpfung der reflektierenden Elemente der Erde vor sich gehen? Natürlich durch die Nachrichtennetze und die Rechenmaschinen, die uns alle in einer Art ‚ätherischem’ Mitbewusstsein verbinden. Sie nehmen so eine direkte Abstimmung der Gehirne aufeinander mittels der noch geheimnisvollen Kräfte der Telepathie vorweg.“ (Teilhard de Chardin 2010, 221) In dieser Aussage wird deutlich, dass er die Denksphäre letztlich als ein umfassenderes Bewusstseinsfeld sieht. Man kann das „globale Internet“ heute allerdings eher als eine „technische“ Vorstufe dieses globalen Bewusstseins sehen.

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