Reinkarnationstherapie

Psychologische Methode, die dem Klienten bei der Erinnerung an seine Vorleben helfen soll, die angeblich Auswirkungen auf das gegenwärtige Leben haben. Eine gewisse Ähnlichkeit dieser Methode ist in Bert Hellingers Methode der → Familienaufstellung zu finden.
In den meisten Fällen ist eine Reinkarnationstherapie gewissermaßen eine Art „Fantasiereise“ und in diesem Sinne vielleicht eine nützliche psychologische Methode. „Wer zur Reinkarnationstherapie geht, deutet auch seine Erlebnisse als Reinkarnation“, sagt der Psychologe Klausbernd Vollmar. Die Gefahr einer solchen „Therapie“ liegt hauptsächlich darin, dass das Ego zu sehr aufgebläht wird, dass Menschen meinen, sie wären tatsächlich einmal ein Prinz oder eine Prinzessin gewesen. Der Religionsphilosoph Arnold → Keyserling dazu: „Über die Wahrheit der Reinkarnation kann das Erleben aber nichts aussagen; auch in Indien wurde sie sehr selten verifiziert.“
Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass es nicht wünschenswert ist, sich früherer Existenzen zu erinnern (→ Reinkarnation). Möglicherweise kann ein Mensch in einem veränderten Bewusstseinszustand bildhafte Spuren aus einem Bereich des überpersönlichen Bewusstseinsfeldes empfangen, die er auf sein eigenes persönliches Bewusstsein bezieht. Dieses Feld ist vermutlich identisch mit dem → morphogenetischen Feld, wie es Rupert Sheldrake dargestellt hat, oder der → Akasha-Chronik.
Eine interessante These wird von der klinischen Psychologin Dr. Edith Fiore vorgebracht. Sie schlägt vor, dass Menschen mit Reinkarnationserfahrungen von verirrten „Bewusstseinskernen Verstorbener“ besessen sind. Das Bewusstsein der Kranken wird, bildlich gesprochen, beiseite geschoben, um dem aufdringlichen „Gast-Bewusstsein“ Platz zu machen. „Nach Fiore handelt es sich bei den Auslösern von → Besessenheit um spirituelle Wesenheiten, denen aufgrund gewisser Unzulänglichkeiten in ihrem früheren Leben der Übergang in die jenseitige Realität nicht gelingen will“ (Ernst Meckelburg 1991, 133). Ähnliches ist durchaus vorstellbar, wenn jemand etwa die Erfahrungen einer verstorbenen Mutter in einer Rückführung erlebt. In diesem Fall wäre es keine Besessenheit, sondern das „Bewusstseinsfeld“ der Mutter wäre noch aktiv. Dieses Thema berührt auch die Technik des Familienstellens nach Bert Hellinger.
In der Besessenheitstrance des brasilianischen Candomblé (→ Voodoo) wird durch gezieltes, langjähriges Training ein Medium darauf vorbereitet, sich absichtlich von einer höheren Wesenheit oder Energie „besitzen“ zu lassen, um von dieser Energie oder Wesenheit Mitteilungen über Krankheitsursachen von Menschen und Heilungsvorschläge zu erhalten. Manchmal können in diesem Besessenheitszustand auch direkt Heilungen vollbracht werden.
Bei manchen Formen der Besessenheit wird vom Medium bewusst ein Verstorbener inkarniert, der dann Heilkräfte ermöglicht. Interessant ist, dass in dieser Anschauung nie davon gesprochen wird, man selbst sei die Reinkarnation dieses oder jenes Menschen – immer ist die Person nur ein Medium für den Verstorbenen oder eine bestimmte Wesenheit.
Die Erinnerung an mehrere Lebensläufe wäre nach Sri → Aurobindo nur Hindernis und eine schreckliche Bürde, „die die freie Entfaltung einer neuen Persönlichkeit und ihre Fähigkeit, neue Erfahrung zu sammeln, behindert. Hätten wir eine klare Erinnerung an die Einzelheiten unseres vergangenen Lebens, dann wären die vielen Erlebnisse von Hass und Groll, von Zuneigungen und Verbindungen auch eine schreckliche Erschwerung. Denn das würde den wiedergeborenen Menschen an eine nutzlose Wiederholung oder an eine erzwungene Fortsetzung seiner früheren äußeren Art binden und der Entfaltung neuer Möglichkeiten aus den Tiefen des Geistes erheblich im Wege stehen.“ (Sri Aurobindo 1974)
Für Sri Aurobindo ist das Gesetz, „das uns der Erinnerung an vergangene Lebensläufe beraubt, ein Gesetz der kosmischen Weisheit und dient ihrer evolutionären Absicht, es vereitelt sie nicht.“ Siehe auch: → Seelenreise, Seelenrückführung.

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