Risiko als „kosmisches Gesetz“

In einigen spirituellen Philosophien haben Gott, Welt und Mensch eine gemeinsame Aufgabe, weil das Weltall keine vollkommene Maschine ist, die vorherbestimmte Ergebnisse hervorbringt. Ständige Korrekturen des Zusammenwirkens sind deshalb notwendig.
Wenn alle Vorgänge so genau geplant wären, dass nichts verloren ginge und die Entropie, der Verfall, aufgehalten wäre, könnte auch nichts geschehen (→ Ewigkeit). Es müssen also neue Möglichkeiten geschaffen werden oder bewusste Einflüsse möglich sein (→ Magie), die gegen die Entropie wirken. Allerdings schafft der Mensch selbst zusätzliche Unsicherheiten und Unwägbarkeiten. Die Verwirklichung von Potenzialen aus dem → Bewusstseinsfeld eröffnen neue Möglichkeiten. Diese sind Zeugnis „göttlicher“ oder menschlicher Erfindungsgabe. Sie müssen jedoch immer als etwas Unvorherbestimmtes angesehen werden, etwas, das offen ist und nicht von Anfang an vorbestimmt. Der Preis für das Erscheinen von etwas Neuem in der Welt sind Ungewissheit, Unsicherheit und Gefahr.
Dieses Weltbild hat z.B. G.I. → Gurdjieff bereits vor Max Plancks Quantenmechanik, Heisenbergs Entdeckung der Unschärferelation, der heutigen Chaostheorie und Astrophysik eingeführt. Es unterscheidet sich wesentlich von traditionellen und spirituellen Kosmologien, die meist von mechanischen Gesetzmäßigkeiten ausgehen. Der einzige Faktor, der mit der Unwägbarkeit zurechtkommt, ist Intelligenz, ohne die menschliche Freiheit nicht möglich ist. Mit ihr kann es eine Rückkoppelung zum Ursprung geben, weil die physikalischen Gesetze des Universums „lückenhaft“ sind.
Nach John G. → Bennett können mit der Einführung des Risikofaktors manche „Unmöglichkeiten“ besser verstanden werden, die traditionelle spirituelle wie wissenschaftliche Theorien nicht lösen konnten: das Problem des freien → Willens und das Problem von Gut und Böse, das viele Menschen vom Glauben an eine intelligente Schöpfung abgebracht hat. Wenn wir ähnlich wie die → Gnosis davon ausgehen, dass Gott nicht allmächtig ist, sondern „nur“ die alles durchströmende Liebe, dann kann man diesem höchsten Wesen auch nicht die Schuld an den Mängeln der Welt und des Menschen in die Schuhe schieben.
Das intelligente, sich selbst organisierende Universum und alle Elemente, die an seiner Entwicklung beteiligt sind, müssen sich immer wieder erneuern, um nicht von der Zeit und der Entropie zerstört zu werden (→ Ritual). „Es gibt nun zwei Welten nebeneinander“, erklärt John G. Bennett diese Erkenntnis, „eine vollkommene und eine unvollkommene. Die Kombination beider ermöglicht es, einen selbst erneuernden Prozess zu beginnen. Dies entspricht einer Welt, die wir sehen können: dem materiellen Universum (John G. Bennett 2004). Und er löst ein weiteres Problem:
„Wenn aber die Intelligenz des Schöpfers die Welt zu regulieren hat, dann sind trotzdem noch nicht alle Voraussetzungen erfüllt. Die Intelligenz muss schließlich noch in die Welt eintreten, und die Welt muss unabhängig von → Gott intelligent werden. Das bedeutet, dass unabhängige Intelligenzen mehr und mehr die Arbeit der Selbstorganisation nach dem Prinzip der gegenseitigen Erhaltung [→ Schamanismus] übernehmen müssen, sodass die Welt zu einem lebendigen unsterblichen System wird, in dem der Schöpfer arbeiten kann.“ (John G. Bennett 2004)
Diese Idee wird von der fortschrittlichen Astrophysik bestätigt: „Allbewegtheit in sich wandelnden, aber einander niemals gleichen Strukturen macht das Leben und den dynamisch vitalistischen Charakter unseres Universums aus. Wir haben kein zentralistisch, monistisch angelegtes Universum“ (Hans Jörg Fahr 1992); → Reinkarnation). Die Essenz dieser Erkenntnis ist: „Das Grundprinzip des realen Universums ist das Prinzip der Erhaltung der Information in der Gesamtnatur des Universums.“

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