Rosenkreuzer

Den → Templern folgten die → Alchemisten und die Rosenkreuzer. Giordano Bruno (1548-1600) kann als einer der Vorläufer der Rosenkreuzer angesehen werden. Er wurde 1600 von der Inquisition als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt, weil er sich weigerte, das katholische Weltbild mit seinen engen Grenzen anzuerkennen.
Ihm zufolge gilt die Erkenntnis, dass die → Transzendenz des Einen die ganze Welt durchstrahlt. Die tiefe Überzeugung von der Allgegenwart des göttlichen Lichts und die Sehnsucht nach der Vereinigung mit dessen Glanz stellt ihn auf die Stufe der großen Mystiker, doch im eigentlichen Sinne bahnt er den Weg für die ganzheitliche Naturwissenschaft, weil er die Natur und die Materie in Einheit mit der göttlichen Geistigkeit sieht.
Seit der Renaissance versuchte man kabbalistische und gnostische Gedanken zu verschmelzen. Um 1612 kursierte das Buch „Aurora oder Morgenröte im Aufgang“ des böhmischen Mystikers Jakob → Böhme mit einer gnostisch-theosophischen Schau, kurz darauf, um 1614, erschienen Schriften, die der „Bruderschaft des Rosenkreuzes“ zugeschrieben wurden (deren Verfasser aber der protestantische Theologe Johann Valentin Andreae (1586-1654) gewesen sein soll): die „Fama Fraternitatis“ und die „Confessio Fraternitatis“. Die Legende der Fama lautete, dass ein oder zwei Jh. früher Bruder CR (Christian Rosenkreuz) auf der Suche nach Wissen weit gereist sei und einen Orden gegründet habe, dessen Mitglieder sich dem gleichen Zweck, dem Erwerb geistigen Wissens, widmen sollten.
Alles erschien sehr mysteriös, doch fand dieser Orden bald viele Anhänger. Es gestand zwar niemand öffentlich, er gehöre der Bruderschaft an, doch wurden immer mehr Schriften veröffentlicht, die eine gewisse Synthese → alchemistischer, → gnostischer, christl. und → kabbalistischer Elemente darstellten. Die Wiederauferstehung des Königs, ein grundlegendes Thema der Legende um den hl.→ Gral, ist auch das Hauptmotiv des Textes „Chymische Hochzeit Christiani Rosenkreutz“ (erschienen 1616 in Straßburg), in dem verschiedene, auf sieben Tage verteilte Abenteuer die traditionellen sieben Einweihungsstufen (oder Himmelssphären) symbolisieren.
Berühmte Rosenkreuzer wie Michael Maier (1568-1622, Leibarzt Rudolfs II. in Prag), Robert Fludd (1574-1637) und der Physiker Isaac Newton (1643-1727) beweisen, welch große Bedeutung die gnostische → Alchimie, zumindest in ihrer Symbolik, für die Gruppe hatte. Idries → Shah behauptet, die „Bruderschaft der Rosenkreuzer“ (sofern diese überhaupt existierte) sei nach dem Vorbild der Sufi-Orden (→ Sufismus, Sufi-Orden) und sogar mit deren Wissen gestaltet worden. Immerhin trägt der Sufi-Orden der Qadiri das Symbol der Rose in seinem Emblem; das → Kreuz mag christl. sein, kann aber auch die Verbindung zwischen der materiellen und geistigen Welt darstellen oder des philosophischen Feuers mit dem Kessel (crucible) der alchemistischen Transformation.
Johann Wolfgang von Goethe stand angeblich den Rosenkreuzern nahe, und die modernen → Anthroposophen fühlen sich als die „echten“ Erben der Rosenkreuzer. Heute gibt es mehrere Rosenkreuzer-Organisationen und Gemeinschaften, wie z.B. AMORC, Lectorium Rosicrucianum, SRIA und Rosenkreuzer-Gemeinschaft (nach Max Heindel).

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