Rumi, Dschelaluddin

Rumi, Dschelaluddin (1207-1273)

Der bekannteste Sufi-Meister des südlichen Sufismus (→ Sufismus, Sufi-Orden). Rumi gilt vielen als größter Meister, und auch der Einfluss seiner Lehren lässt sich kaum abschätzen.
Die Familie Rumis kam aus dem afghanischen Balkh und floh vor den Mongolen in die Türkei, wo sie sich in Konya niederließ. 1244 traf Rumi den Mann, der ein „göttlicher Geliebter“ für ihn wurde, Shams-i Täbris, der ihn zur höchsten Verwirklichung führte. Shams-i Täbris zählt zu den Majzubs. Es heißt, dass das sema, der berühmte Drehtanz der „wirbelnden Derwische“, aus Rumis Schmerz über den Verlust von Shams entstand.
Seine Dichtkunst stand ganz im Zeichen der Lehre:
„Wie bei allen sufischen Werken wird die Wirkung des ‚Masnawi’ (sein bedeutendstes Werk) auf den Hörer, je nach den Bedingungen, unter denen man es hört, eine andere sein. Es enthält Witze, Fabeln, Gespräche, Bezüge auf frühere Lehrer und auf Methoden, die zur Ekstase führen … Diese Botschaft ist bei Rumi, wie bei allen anderen sufischen Meistern, ihrem Aufbau nach teilweise den Umweltbedingungen angepasst, unter denen er arbeitete … In seinem Lehrsystem benutzte Rumi Erklärungen und mentale Übungen, Denken und Meditation, Arbeit und Spiel, Aktion und Inaktion. Die körperlich-geistigen Bewegungen der Wirbelnden Derwische, gekoppelt mit der Rohrflöten-Musik, zu der sie ausgeführt werden, sind das Produkt einer besonderen Methode, die darauf abzielt, den Suchenden in Einklang mit der mystischen Strömung zu bringen, damit er verwandelt werden kann.“ (Idries Shah 1976, 110)
Der Mevlevi-Orden, deren geistiger Meister (mevlana) Dschelaluddin Rumi ist, besteht noch heute, da trotz des Verbotes der Derwischorden durch den türkischen Republikgründer Atatürk die wirbelnden Derwische eine kulturelle Einrichtung geblieben sind. Sie werden jedes Jahr am Todestag von Rumi, dem 17. Dezember, in Konya öffentlich aufgeführt.
Unter anderem der große Scheich Suleiman Dede, einer der Meister, hatte den Orden auch westlichen Schülern geöffnet. Einer seiner Schüler, der britische Gründer der „Lebenden Schule“ Reshad Feild, führte die Tänze auch in der Schweiz mit seiner Gruppe öffentlich auf. Reshad Feild lehnt es ab, sich als „Sufi-Meister“ bezeichnen zu lassen, obwohl er zum Mevlevi-Scheich für den Westen ernannt wurde. Seine Arbeit ist eine westliche, interspirituelle Synthese von Methoden der Mevlevis, der Meister der Weisheit, G.I. → Gurdjieff und anderen. Er sagt: „Als Erstes müssen wir uns an Gott erinnern, unser ganzes Leben lang. Um dies zu tun, sind wir aufgefordert, zu Gott zu erwachen. Wir müssen lernen, mit Gott zu atmen. Wir müssen lernen, Ihn mit jeder Faser unseres Wesens zu lieben…“ (Reshad Feild 2004, 37)

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