Sikhismus

Wurde im 15. Jh. von Guru Nanak begründet; zum Sikhismus gehört auch die Sant-Mat-Mystik. Zu dieser Zeit gab es einen großen Konflikt zwischen Muslimen und Hindus. Guru Nanak entwickelte ein auf gesundem Mensch- und Alltagsverstand beruhendes philosophisches und religiöses Lehrgebäude, in dem Allah und Brahma gleichermaßen angebetet werden können.
In der Sikh-Religion gibt es keine etablierte Priesterschaft. Die hl. Texte der einzelnen Gurus sind gesammelt im „Guru Granth Sahib“. Bei den gläubigen Sikhs steht dieses Werk im Mittelpunkt ihrer Verehrung. In der Praxis gibt es unterschiedliche Richtungen. Eine davon ist der Surat-Shabd-Yoga, das sich mit der Mystik des Tonstroms beschäftigt:

„Das Wort oder Naam ist der Tonstrom oder das Tonprinzip. Dieser Strom oder das Prinzip lag mit der großen Stille verschmolzen und war daher namenlos. Das Namenlose brachte sich selbst zum Ausdruck und schuf Naam oder das Wort. Es ist vielfach bekannt als Ton; Sruti (das was gehört wird); Shabd oder Askash-Bani (Stimme des Himmels); Udgit, Sarosha (Musik des Jenseits) …“ (Sant Kirpal Singh 1970)

Sant Kirpal Singh (1894-1974) war Schüler von Sawan Singh (1858-1948), der Yoga- und Sufimethoden (→ Sufismus) verband. Sawan Singh, der Heilige von Beas, verhalf einer Lehre zu neuem Leben, die sich nicht auf eine Religion beschränkt, sondern in den hl. Büchern aller Religionen zu finden ist. Seit seinem Tod leitet Thakar Singh den Ashram in Delhi, Indien, und kommt gelegentlich zu Vortragsreisen nach Deutschland.
Eine weitere Kirpal-Nachfolge-Organisation ist Science of Spirituality („Wissenschaft der Spiritualität“), die auf Sant Darshan Singh zurückgeht und von seinem Sohn Rajinder Singh geleitet wird. Die Wissenschaft der Spiritualität ist eine gemeinnützige und Organisation mit über 1 200 Zentren in aller Welt. Internationaler Hauptsitz ist Delhi (mit jährlich Zehntausenden Besuchern aus allen Ländern mit verschiedenstem religiösem Hintergrund, die dort Spiritualität und Meditation studieren wollen); weitere große Zentren befinden sich in Chicago und München. Alle Veranstaltungen sind kostenlos und der Allgemeinheit zugänglich. Die Wissenschaft der Spiritualität beteiligt sich laufend an interreligiösen Dialogen sowie an nationalen und internationalen Konferenzen. Unter der Leitung von Sant Rajinder Singh organisiert und finanziert die Organisation jährlich große internationale Treffen mit den Themenschwerpunkten Spiritualität, menschliche Einheit und religiöses Verständnis. Die Zentren in Delhi, Chicago und München verfügen über eine Bibliothek für vergleichende Religionswissenschaft und verwandte Themen, damit Interessenten die Botschaft der Einheit studieren können, die den Weltreligionen und Philosophien zugrunde liegt. Außerdem publiziert die Organisation umfangreiche Literatur, verfasst von ihren spirituellen Leitern, die mittlerweile in über 50 Sprachen übersetzt ist.
Eine westliche Richtung wird von Yogi Bhajan geleitet, der neben Meditation auch → Hatha-, → Kriya- und → Kundalini-Yoga lehrt.

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