Sonnenkult

Aus der Bronzezeit Nordeuropas sind vielfältige Darstellungen (Felszeichnungen, Objekte) bekannt, die von einer besonderen Stellung der Sonne im Leben der Nordvölker zeugen: z.B. der Sonnenwagen von Trundholm (Dänemark), die Sonnenscheibe von Aurich, die Felszeichnungen von Bohuslan (Schweden). Sie waren meist aus Gold, der → Farbe der Sonne.
Die lang anhaltende Winterdunkelheit im Norden brachte die Vorstellung hervor, dass man der Sonne bei ihrer Wiederkehr helfen musste, denn ohne sie würde die Erde keine Frucht mehr tragen. Darauf verweisen die Sonnendarstellungen aus dieser Zeit, in denen die Sonne getragen (vorzugsweise vom Hirsch, zwischen seinem Geweih), gezogen (Sonnenwagen) oder gefahren (Schiff) wurde. In vielen Überlieferungen trug der Hirsch die Sonne (→ Geisttiere), in einigen Darstellungen wurde die Sonne auch von einem Wagen gezogen. Daraus entstand der Glaube, dass Gott in Gestalt der Sonne der menschlichen Unterstützung bedürfe. Das war möglicherweise der Ursprung des rituellen → Opfers, das in den indischen Veden (ca. 4 500 v.u.Z.) der → Brahmanen einen wichtigen Platz einnahm.
Veda heißt Wissen: Wissen um die Entstehung der Welt. Es wird angenommen, dass dieses Wissen – und auch eine neue Sprache, das Sanskrit – durch Völkerwanderungen von Nordeuropa nach Indien gelangte. Die so genannte idg. Sprachgemeinschaft weist ebenso darauf hin (→ Europa, Sprache). Die Verehrung des Sonnengottes Sol im alten Rom leitet sich möglicherweise auch aus diesem Glauben ab, da im Süden Europas die Sonne eher übermächtig als schwach ist und durch Hitze und Dürre sogar der Ernte und den Menschen nicht zuträglich.
Die Weiterführung der alten Glaubensinhalte durch das Christentum findet ihr zentrales Ritual an Weihnachten, dem 25. Dezember, mit der Geburt Christi. Dieser Tag war bei den Menschen früherer Zeiten immer ein Feiertag, ein Tag, der den von Jungfrauen geborenen Sonnengöttern wie Osiris, Horus (Ägypten), Dionysos, Adonis (→ Griechenland), Mithras (Persien), → Buddha (Indien) und Freyr (→ Germanien) geweiht war. In dieser Jahreszeit feierten die Menschen das Zunehmen der Sonnenkraft, das durch die Niederkunft der Himmelskönigin und die Geburt des Sonnengottes symbolisiert wurde.

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