Trinität, Triade

In vielen Religionen und spirituellen Lehren existiert die Vorstellung von einer → Kosmogonie, die ihre Ursache in der Einheit oder einem Absoluten → Nichtsein hat. Nachdem aus der Einheit die Schöpfung ausgeströmt ist, manifestiert sich die Gottheit oder die schöpferische Kraft als ursprüngliche Trinität, die im christl. Glauben als Vater, Sohn und Hl. Geist dargestellt wird.
Im „Apokryphon Johannis“, das 1945 im ägyptischen Nag Hammadi gefunden wurde, heißt es jedoch: „Ich bin der Vater, ich bin die Mutter, ich bin der Sohn.“ Dem christl. Hl. Geist wird von vielen → Gnostikern oft eine weibliche Eigenschaft zugeschrieben. Das erklärt sich sehr leicht daraus, dass in griech. Texten „Hl. Geist“ als Neutrum, pneuma, übersetzt wird, während hebr. Texte von ruach, einem weiblichen Wort, sprechen. In der → Kabbala finden wir denn auch Weisheit und Bewusstsein in der obersten Dreiheit des → Lebensbaumes – dies vermutlich eine Reminiszenz an die drei Welten der idg. und schamanischen Vorstellungen (→ Weltenbaum).
Im → Brahmanismus manifestiert sich das absolute Göttliche (→ Brahman) in Form von drei Gottheiten, → Brahma, Vishnu (→ Bhakti-Yoga) und → Shiva, den schöpferischen, erhaltenden und zerstörenden (oder auch transzendierenden) Prinzipien. Eine Darstellung dieser Dreiheit, die alle diese Prinzipien in sich verkörpert, ist → Dattatreya. In der Lehre des → Samkhya ist Prakriti, manchmal mit „Natur“ übersetzt, das ewige, sich immer ändernde unbewusste Prinzip, das der Schöpfung zugrunde liegt. Sie ist aus drei Bestandteilen, den Gunas, zusammengesetzt: → Sattva, dem feurigen, aktiven Prinzip, → Rajas, dem versöhnenden, neutralen Prinzip, und Tamas, dem Trägheitsprinzip. Die Gunas sind untrennbar, eines allein kann nichts hervorbringen. Jeder Effekt ist im ursprünglichen Grund schon enthalten, genauso wie jeder Aspekt der Erscheinungswelt in seiner ursprünglichen Matrix Prakriti enthalten ist.
In der Kosmogonie von → Gurdjieff teilt sich der ursprüngliche Schöpfungswille in drei Kräfte auf, in eine aktive, eine rezeptive und eine synergetische Kraft, die immer wieder danach streben, sich zu vereinigen. Daraus leitet er das Triaden-Gesetz ab (→ Zahlen).

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