Zoroaster

Zoroaster (griech. „ein Besitzer alter Kamele“, auch: Zarathustra, selten: Zarduscht; um 630 – um 550 v.u.Z.)

Persischer Prophet, der in einer Familie von Viehzüchtern und Nomaden aufwuchs. Daher finden sich in seiner Lehre auch Elemente des → Schamanismus (z.B. die Vorstellung von → Geistern) und der frühen polytheistischen Religion des indischen → Brahmanismus.
Im Bereich von Religionsausübung, Mythologie und Kult lassen sich viele Übereinstimmungen zwischen „Avesta“ (die Überlieferung seiner Lehren) und „Rigveda“ finden. Der Übergang vom Nomadentum zum Ackerbau, den Zoroaster erlebte, wird mit dem Beginn der „Zivilisation“ gleichgesetzt. Daher ist die Verehrung der guten Kräfte der Natur auch ein zentrales Motiv seines Glaubens.
Mit 20 Jahren verließ Zoroaster seine Heimat und lebte als Eremit. Aus den „Gathas“, den wahrscheinlich von Zoroaster verfassten Versen, lässt sich entnehmen, dass er von den Priestern des Mithraskults verfolgt wurde und fliehen musste. Mithras war eine iranische Lichtgottheit, dessen Kult sich von Persien über Rom bis nach Britannien ausbreitete. Im Alter von 30 Jahren offenbarte sich Zoroaster der höchste Gott, Ahura Mazda. Zwölf Jahre lang versuchte Zoroaster vergeblich, Anhänger für seine Lehre zu finden. Das änderte sich erst, als es ihm gelang, den Fürsten Vishtaspa, dessen Gattin und schließlich den Hofadel zu bekehren. Zoroaster starb im Alter eines gewaltsamen Todes.
Der Zoroastrismus ist wohl die erste bekannte „Offenbarungsreligion“ der Welt, d.h. durch prophetisch gehörte Mitteilungen Gottes geoffenbart (→ Channeling). Es war die Staatsreligion dreier großer iranischer Reiche vom 6. Jh. v.u.Z. bis zum 7. Jh. n.u.Z. Judentum, → Manichäismus, → Gnosis, Christentum und Islam übernahmen Teile dieses Glaubenssystems, insbesondere das dualistische Weltbild (→ Dualismus) und die Lehre von den → Engeln.
Die Lehre Zoroasters ist im „Avesta“ („Wissen“, dieselbe Wurzel wie im indischen Veda) niedergelegt. Er besteht aus gleichnishaft-lyrischen Psalmen, „Gathas“ genannt. Der Avesta wurde kommentiert; die exegetische Fassung nennt man „Zend-Avesta“, d.h. „Wissen der Tradition“. Der ursprüngliche Text des Avesta soll zur Zeit Alexanders des Großen verloren gegangen sein. Aus den Resten stellten die Priester im 3. bis 4. Jh. n.u.Z. den Kanon der „wahren Lehre“ zusammen.
Charakteristisch für die Lehre Zoroasters ist der universale → Dualismus: das Gute und das Böse. Der Gott des Guten (der Reinheit, der Wahrheit, des Lichtes) ist Ahura Mazda, der Gott des Bösen, der Lüge, der Finsternis ist Ahriman (→ Anthroposophie). Letztlich wird das Böse vernichtet. Die Auseinandersetzung dauert bis zum Weltende, dann erst werden das Böse und die Lüge überwunden und völlig vernichtet sein und die Wahrheit gesiegt haben.
Ahura Mazda ist der „andere“ Gott, sein Wesen ist Menschen nicht vermittelbar, er ist auch nicht erfahrbar, außer durch Beschreibungen der Negation. Er ist der Einsame und Erhabene. Ahura Mazda entspricht der Idee des vedischen → Brahman oder auch dem „nichtseienden Gott“ der → Gnostiker. Möglicherweise floss das Konzept von hier in die Gnosis ein, wie ja auch viele andere zoroastrische Ideen die Religionen des Nahen Ostens beeinflusst haben.
Die Anhänger Zoroasters legten Wert darauf, gute und ehrliche Menschen zu sein, nie zu betrügen und Wohltätigkeit zu üben. Reinigung, → Opfer und → Gebet waren ihre zentralen Forderungen. Zoroaster duldete weder Tempel noch Götzen; Altäre wurden auf Hügeln, in Palästen oder im Zentrum der Stadt errichtet. Auf diesen Altären wurden Feuer, das Symbol der Leben spendenden Sonne, zu Ehren Ahura Mazdas unterhalten, weshalb die Zoroaster-Anhänger „Feueranbeter“ genannt wurden. Auch der Herd im Haus galt als hl. Altar; hier durfte das Feuer niemals ausgehen.
In der zoroastrischen Lebensweise oder spirituellen Methode ist das Erreichen der Harmonie mit dem Kosmos eine lebenslange Aufgabe des Menschen. Jeder ist für seine Taten selbst verantwortlich. Diese Verantwortung sowie Achtung vor Andersdenkenden führte dazu, dass im Vergleich zu anderen spirituellen Lehren der missionarische Eifer bei den Anhängern Zoroasters weniger ausgeprägt war.
In der Lehre Zoroasters wurde auch Sklavenhaltung abgelehnt. Trägheit, Faulheit und ein Leben auf Kosten anderer wurde im höchsten Maße verachtet, und jeder war verpflichtet, durch eigene Arbeit sein Leben zu bestreiten.
Das Zentrum dieses Glaubens bilden 16 natürliche und kosmische Kräften oder Eigenschaften, die jeden Aspekt des Lebens einbeziehen. Aber offenbar war es nicht beabsichtigt, diese Kräfte in eine starre oder künstliche Ordnung zu bringen, sie sind vermutlich nur die „Eckwerte“ für die Lebenseinstellung.
Ahura Mazda ist der Gott des Zoroastrismus. Er ist umgeben von → Engeln und → Geistern. Die sieben obersten Engel heißen Amesha Spenta und sind übernommene Gottheiten älterer Götter- und Mythenwelten. Die sieben Erzengel, die in seiner unmittelbaren Nähe sind, heißen: „Die gute Gesinnung“ (Vohu Manah), „die Gerechtigkeit und Wahrheit“ oder „beste Frömmigkeit“ (Asha Vahista), „der göttliche Wille“ oder „gewünschte Herrschaft“ (Kshatra Vairya), „Demut und Frömmigkeit“ oder „hl. Ergebung“ (Spenta Armaiti), „die Vollkommenheit“ oder „das Heil“ (Haurvatat), „die Unsterblichkeit“ (Ameretat) und „der Gehorsam“ (Sraosha).
Unter den sieben Erzengeln stehen die Fravashi, das sind die unsterblichen Seelen aller Lebewesen. Sie sind Urbilder der einzelnen Lebewesen und beschützen diese. Man kann auch sagen, dass diese die Lebenskräfte der Erde symbolisieren wie Gesundheit, Wasser, Luft, Nahrung, Sonne und Freude. Selbst Ahura Mazda hat ein solches Urbild, das als geflügelter Mensch dargestellt wird.
Die Begleiter des Bösen, Ahrimans, sind eine endlose Schar von Teufeln und → Dämonen, die die Menschen heimsuchen. Hinter den Teufeln stehen alte Naturdämonen und -götter als Urbilder. Nach Dr. Edmond Bordeaux Székely entstand aus diesem Weltbild das Schachspiel mit seinen 16 weißen und schwarzen Figuren, die gegeneinander antreten (→ Orakel). Ahura Mazda ist als Schöpfer heute noch die Figur des „Königs“. Die 64 Spielfelder des Schachs entsprechen der Idee des → I Ging, ebenso wie die acht Trigramme, im Schach die Hauptfiguren, die im „Avesta“ die Erzengel darstellen. So ist es durchaus möglich, dass auch Vorstellungen aus dem I Ging in den Zoroastrismus einflossen.
Die von Ahura geschaffenen Gottheiten erschufen andere wohltätige Wesen, welche dem alten iranischen Pantheon entsprechen: die Yazata („Verehrungswürdige“) oder auch Amesha Spenta, „hl. Unsterbliche“. Die Zeitalter sind auf die Vollendung hin angelegt, auf ein Ende der Geschichte und des Werdens. Die Doktrin eines Jüngsten Gerichts, von Himmel und Hölle, der Auferstehung und des ewigen Lebens danach wurde hier vermutlich zum ersten Mal gelehrt.
Heute gibt es noch rund 200 000 Anhänger der zoroastrischen Glaubensform; die meisten davon sind die so genannten Parsen, die in Indien leben. Der im Westen bekannteste Parse war Freddie Mercury, Leadsänger der Rockgruppe „Queen“.

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